Museum auf Kockert

Öffnungszeiten:
Mai-Oktober Samstags 16.00-18.00 Uhr
und für Gruppen nach tel. Vereinbarung

EINTRITT FREI

 
Die Inneneinrichtung des Hauses
Bei der Einrichtung des Museums hat sich der Heimat- u. Verkehrsverein bemüht, die historische Vergangenheit des Hauses nachzuempfinden.
Die Lehrerwohnung im Erdgeschoss besteht aus einer, für Moselhäuser charakteristischen, offenen Flurküche, ausgestattet mit einer offenen Feuerstelle, von wo über eine Takenplatte der Nebenraum beheizt wurde. Die Flurküche bildete den zentralen Raum, in dem gekocht und gearbeitet wurde und über die sich die anderen Räumer erschließen.
Der kleine Keller wird über einen Zugang aus der Flurküche erreicht. Wahrscheinlich diente er dem Lehrer als Stall für Ziege, Schwein usw. Die Toilette -ein einfaches Plumpsklo- befand sich immer außerhalb des Hauses.
Die gute Stube war neben der Flurküche der einzige Raum, der auch im Winter beheizt war. Hier fand das ganze Jahr über das familiäre Leben statt.
Außer der Stube gehörte noch ein Schlafraum zur Wohnung. Zusätzlichen Schlafplatz bot die Schlafkiste (Bank in der Wohnstube).
 
Die Geschichte des Hauses
Die alte Schule auf Kockert wurde in ihrer ursprünglichen Form (hinterer südlicher Gebäudeteil) im Jahre 1732/33 zeitgleich mit der alten Kirche als Frühmessnerhaus (ein Priester der Stiftungsmessen aber kein Hochamt lesen durfte) errichtet.
1755/56 wurde an den Ursprungsbau der nördliche Gebäudeteil angefügt und das gesamte Ober- und Dachgeschoss aufgesetzt. Möglicherweise diente der Ausbau des Gebäudes der Errichtung einer Schule mit Lehrerwohnung.
Weitere Veränderungen wurden 1785 vorgenommen.
1874 befand sich das Gebäude in einem schlechten Zustand. Weil die Instandsetzung zu große Kosten erforderte, wurde es 1874 meistbietend verkauft. Danach wechselte das Haus noch mehrmals den Besitzer.
1998 erwarb die Gemeinde das Gebäude.
Es hatte jahrelang leer gestanden und befand sich wiederum in einem desolaten Zustand (s. Bildtafel im Flur des  Obergeschosses).
1999 bis 2002 erfolgte durch den Heimat- und Verkehrverein Alf e.V. die grundlegende Sanierung, mit dem Ziel ein kleines Dorfmuseum einzurichten.
Unterstützt wurde das Vorhaben vom Landesamt für Denkmalpflege, dem Dorferneuerungsprogramm des Landkreises Cochem-Zell, dem Heimat- u. Verkehrsverein Alf sowie vielen ehrenamtlichen Helfern und Spendern.
Für die Restaurierung wurden ausschließlich Naturmaterialien, Stroh, Lehm, Naturfarben, verwendet.
 
Obergeschoss
Über die originale, ursprüngliche Treppe (aufgearbeitet) gelangt man ins Obergeschoss.
In dem kleinen Flur wird auf die Weinbautradition unseres Ortes hingewiesen.
Von hier aus gelangt man in den ehemaligen Schulsaal.
 
Zur Geschichte der Schule
In diesem Gebäude fand der Schulunterricht ab 1755 statt.
Eine Schulpflicht gab es nicht, so dass die Kinder nur während der Wintermonate und an Sonn- und Feiertagen die Schule besuchten. Mädchen waren vom Unterricht gänzlich ausgeschlossen.
Als 1815 die preußische Regierung die Schulpflicht einführte, wurden alle Kinder in der einklassigen Schule auf Kockert unterrichtet. Der Schulsaal diente gleichzeitig als Gemeinderaum und Tanzsaal. Die damals 107 Kinder mussten in Abteilungen getrennt unterrichtet werden.
Der Lehrer war von der Gemeinde angestellt und erhielt von ihr einen Teil seines Gehaltes (1831 - 60 Thaler jährl.) und freies Wohnen. Darüber hinaus lieferte jeder Bürger 1 Sester Most und jeder Schüler 1 Thaler Schulgeld.
Der beengte und schlechte Zustand der Schule veranlasste die Gemeinde 1841 ein geeignetes Schulgebäude in der Dorfmitte zu bauen.
 
Schulsaal
Der große Raum ist den damaligen Lebensgrundlagen unserer Vorfahren gewidmet.
 
Alf-Fabrik
Zwischen 1824 und 1827 gründeten die Brüder Ferdinand und Louis Remy das erste Puddel- und zugleich Stabeisenwalzwerk in Deutschland. Die Nutzung der Wasserkraft von Alf- und Üßbach, die großen Waldgebiete für die Holzproduktion, sowie der Schifffahrtsweg “Mosel” begünstigten diese Anlage.
Arbeitskräfte standen in Alf und Umgebung genügend zur Verfügung. Viele Kleinwinzer ließen sich als Hüttenarbeiter anwerben. Es änderte sich die soziale Struktur in Alf.
Produziert wurden: schmiedbares Stahleisen, Rad- und Fassreifen, Eisenbahnschienen, Eisen zur Herstellung von Maschinenteilen, Schuhnägeln, Hufeisen usw.
Die aufblühende Eisenindustrie im Ruhrgebiet mit besseren Verkehrsanbindungen verursachte den Niedergang des Alfer Eisenwerkes. 1880 wurde der Betrieb eingestellt.
Nachfolgebetriebe waren:
Gustav Müller
Hanf Union AG
Viersener AG
Pepeka
Diese Firmen nutzten den heimischen Flachsanbau für die Produktion von Seilerwaren aller Art, Filzwaren und Teppiche. Fehlende Rohstoffe und ausländische Konkurrenz sorgten 1957 für die Schließung des letzten Flachs verarbeitenden Betriebes.
Nach mehreren Besitzer- und Pächterwechseln etablierte sich ab 1964 kunststoffverarbeitende Betriebe auf dem Werksgelände.
Bellaplast
Polarcup
Huthamaki
Die Alfer Fabrik gehört zu den größten Arbeitebern der Region.
 
Fischfang

Frische Flussfische gehörten immer auf den Speiseplan der Moselanrainer. Bis in die 1960er Jahre lebten in fast jedem Ort Berufsfischer. Man fischte mit Aalkuttern und Fischnachen, mit Hilfe von Schleppnetzen, Hebenetzen, Reusen oder Angelschnüren. Typische Moselfische sind: Hecht, Zander, Barbe, Brasse, Makrele, Aal, Forellen aus Alf- und Üßbach.
Bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts zogen im Spätherbst Lachse über die Mosel in die Nebelflüsse Alf- und Üßbach zum Laichen. Mit dreizinkigen, langstieligen Lachsgabeln wurden die flussaufwärts ziehenden Fische aufgespießt. Nach dem Verbot der Lachsgabeln durfte nur noch mit Netzen und Drahtkörben gefischt werden.
Der Lachs durfte erst verzehrt werden nachdem ein Fischmeister die Laich für die Lachszucht abgestreift hatte. Der Fang, der nicht als Eigenbedarf verbraucht wurde, verkauften die Fischer an Restaurants und auf Märkten.

 
Weintransport auf der Mosel
Das wichtigste Handelsgut der Mosel ist der Wein, der früher in Holzfässern verschifft wurde. Von Fuhrwerken wurden die sie auf Schiffe umgeladen.
Zur Ausfuhr von Holz wurden Baumstämme zu bemannten Flößen zusammengebunden. Boote und Nachen ließen sich von der Strömung talwärts treiben, gelenkt durch Ruderer. Kräfte zehrend für Mensch und Tier waren Bergfahrten, wenn die Schiffe gegen Strömung und Gefälle “getreidelt” wurden. Auf so genannten Treidel- oder Leinpfaden entlang des Ufers zogen Pferde auf Menschen die an Seilen befestigten Schiffe. “Halfenhöfe” hielten in vielen Moselorten frische Pferde und Unterkünfte bereit. Der Halfenhof in Alf wurde später Teil des Gasthauses “Zum Engel” (heute Moselgarten).
 
Lohegewinnung
Die Lohegewinnung, eine Sonderform der Waldwirtschaft, war ein notwendiger Nebenerwerb vieler Winzer. Die Eichenrinde wurde von den Bäumen abgeschält. Aus der getrockneten Eichenrinde ließen sich Gerbstoffe für die Lederindustrie gewinnen. Als Handwerkzeug dienten Axt, Krummmesser und Lohlöffel. Die gute Qualität der hiesigen Lohe brachte den nutzungsberechtigten Bürgern einen guten Preis. Bereits 1696 ist eine Lohmühle in Alf urkundlich erwähnt.
 
Reiseland Mosel
Alf, verkehrsgünstig und malerisch gelegen, mit Marienburg und Burg Arras, gehörte schon im frühen 19. Jahrhundert zu den bevorzugten Reisezielen an der Mosel. Spätestens mit den Moselreisen der englischen Maler im frühen 19. Jahrhundert wurden die Mosel als romantisch entdeckt. Die ersten Reisenden waren überwiegend Engländer.
Die Touristen des 19. Jahrhunderts reisten mit Postkutsche oder Schiff. Sie nahmen Quartier in Posthaltereien und Hotels. Ein Reiseführer von 1841 nennt in Alf das Hotel “Zum grünen Baum” und Hotel Maas. Ein weiter Reiseführer von 1853 nennt das Hotel Theisen (Alte Post). Dort standen Fuhrwerke für Fahrten nach Bad Bertrich bereit.
Die Anmut und Ursprünglichkeit Alfs haben viele berühmte Gäste beeindruckt.
Kath. u. Gilb. Macquoid, William Turner, Viktor Hugo, Fritz v. Wille, der Eiserne Gustav, Klara Viebig u. v. m.
Mit dem Bau der Straße 1850/60 und der Eröffnung der Moselbahn 1879, erhielt der Reiseverkehr einen großen Aufschwung und wurde zu einem wichtigen Wirtschaftzweig in Alf.
In dieser Zeit wurden in Alf u. a. die Hotels Bellevue (heute Apotheke), Zur Burg Arras, Bad Bertrich, Nollen und Zum Engel gegründet.
Die Nähe der Bahnstation Bullay und zu Bad Bertrich, sowie die günstige Erschließung der Eifel und des Hunsrücks machen noch heute die Attraktivität von Alf aus.